Johanneum Gymnasium Herborn

Am 29. September 2016 gastierte Professor Pfeffel von der Bad Homburger „accadis Hochschule“ in der kleinen Aula des Johanneum Gymnasiums in Herborn. Dort hielt er für die Q3-Leistungskurse von Herrn Stybin und Herrn Ullrich sowie für die Grundkurse von Herrn Welling und Herrn Möller einen Vortrag zum Thema „Herausforderungen der Globalisierung“.

Seit 2006 arbeitet Professor Dr. Florian Pfeffel an der „accadis Hochschule“, wo er zunächst als Dozent und Studienleiter fungierte. Zuvor war der Diplom-Wirtschaftsingenieur sieben Jahre lang als Unternehmensberater tätig. Seit Juni dieses Jahres ist er Präsident der privaten Fachhochschule, die sich auf den Bereich „Business“ spezialisiert hat.

Professor Pfeffel begann seinen gut 90-minütigen Vortrag mit einer Statistik: Gut 53 Prozent der Deutschen glauben, die Globalisierung sorge für weniger Arbeitsplätze in Deutschland. Zwar bringe die Verlagerung der Produktion ins Ausland weniger Arbeitsplätze hierzulande mit sich, so der Professor, allerdings werden durch einen starken Export auch wieder selbige geschaffen. Einerseits seien deutsche Produkte wie z.B. Autos im Ausland sehr begehrt, andererseits wolle der deutsche Konsument möglichst wenig Geld ausgeben.

Jedes Land habe in unterschiedlichen Bereichen Stärken. Durch die Spezialisierung auf diese Stärken könne der Wohlstand insgesamt gesteigert werden, wobei es Länder gäbe, die mehr profitieren als andere, was von Wert und Nachfrage des jeweiligen Produktes abhänge.

Der beste Indikator für die Messung von Wohlstand sei das Bruttoinlandsprodukt, das den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden, nach Abzug der Vorleistungen messe. Allerdings berücksichtige dies beispielsweise den Verbrauch der Umwelt, die Zufriedenheit der Menschen oder die Wohlstandsverteilung nicht.

Effekte der Globalisierung seien eine steigende Außenhandelsquote (Anteil von Exporten und Importen am Bruttoinlandsprodukt) und eine steigende Außenhandelsbilanz (Differenz zwischen Exporten und Importen), welche vor allem durch die Einführung des Euros und dem damit verbundenen Entfall der Wechselkurse zusammenhänge. Zudem habe sich der internationale Warenhandel in den letzten 30 Jahren um das Neunfache vergrößert. Laut Professor Pfeffel sei der internationale Warenverkehr zwischen den Ländern ebenfalls gewachsen, allerdings gäbe es sehr große Unterschiede zwischen den afrikanischen Ländern, die kaum am weltweiten Handel teilnehmen, und großen Wirtschaftsnationen wie den USA, China oder Deutschland. Auch der weltweite Tourismus habe sich seit 1990 mehr als verdoppelt.

In den letzten 15 Jahren verdreifachten sich in etwa die Direktinvestitionen (Vermögensanlagen in fremden Wirtschaftsgebieten) in die Entwicklungsländer, da dort die Produktionskosten (u.a. Lohnstückkosten) deutlich billiger seien. Zudem haben die Unternehmen einen verbesserten Zugang zu Rohstoffen und können neue Märkte erschließen. Außerdem seien gesunkene Transport- und Kommunikations- sowie Transaktionskosten Anreize für die Produktion im Ausland.

Professor Pfeffel gab im Anschluss zu bedenken, dass die Globalisierung nicht nur ökonomisch zu betrachten sei, sondern auch ethisch, politisch, technologisch und sozial. So hänge viel beim Globalisierungsprozess von der jeweiligen Sozialpolitik der Länder ab.

Die Globalisierung sorge für ein breiteres Produktangebot, sinkende Preise und für mehr Wachstum und Wohlstand. Des Weiteren habe sie Freizügigkeit sowie Kulturaustausch und Annäherung zur Folge. Allerdings bringe sie auch Arbeitslosigkeit in den Industrieländern und Ausbeutung in den Entwicklungsländern mit sich. Zudem sei die Umweltbelastung sehr hoch und es könne zur Steuerflucht und ökonomischer Dominanz durch politische Einflussnahme der transnationalen Unternehmen kommen. Insgesamt gäbe es also sowohl Gewinner als auch Verlierer der Globalisierung.

Bei der anschließenden Diskussion über die Vor- und Nachteile der Globalisierung wurde deutlich, dass der mehrfach ausgezeichnete Professor zu den Befürwortern der Globalisierung gehört.

Abschließend gab Professor Pfeffel seinen Zuhörern mit auf den Weg, dass es fraglich sei, wie es den Menschen in den Entwicklungsländern ohne die Globalisierung ginge, denn ansonsten hätten sie weder Arbeit noch ein geregeltes, im Landesvergleich hohes Einkommen.

Am Ende war es eine gelungene Veranstaltung, die eine gute Abwechslung zu den alltäglichen Schulbuchtexten darstellte und uns die Sicht eines Wirtschaftsprofessors auf die Globalisierung gab.

Dominik Bräunche, Q3F

 

 

Prof. Dr. Pfeffel