Johanneum Gymnasium Herborn

„Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben“. Diese viel zitierten Worte eines römischen  Philosophen wirken manchmal fragwürdig vor dem Hintergrund einer Schulwirklichkeit, die dem Leben allzu oft einen Schritt hinterher zu hinken scheint – insbesondere, was die neuen Medien, deren Nutzung und Anwendung anbelangt. Im Umgang mit Smartphone und Computer sind so manche Schüler und Schülerinnen dem Lehrpersonal voraus. Oder es fehlt schlicht und ergreifend die entsprechende Ausstattung in den Schulen, die den Einsatz jener Medien in der unterrichtlichen Praxis allzu oft ein Minimum beschränkt.

Damit soll nun am Johanneum Schluss sein. Das Herborner Gymnasium rüstet technisch auf: Bis zum Ende des Schuljahres sollen alle fünf Gebäudeteile der Schule flächendeckend mit WLAN ausgestattet sein (zwei sind es bereits), was einen schnellen und unkomplizierten Einsatz von Smartphones, Lapzops oder Tablets ermöglicht. Neben den Computerräumen mit Windows-PCs und dem Laptopwagen stehen jetzt auch zwei Klassensets iPads für die Nutzung im Unterricht bereit, die demnächst um ein weiteres Set ergänzt werden sollen.

Aber nicht nur in technische Voraussetzung wird investiert, sondern auch das Lehrpersonal wird auf den neusten Stand gebracht, was die vielfältigen Möglichkeiten der Nutzung im alltäglichen Unterrichtsgeschehen anbelangt. So fand am Mittwoch, den 9. November, am Johanneum eine Fortbildung zum Einsatz von Tablets und Smartphones im Unterricht statt. Einleitend wies dabei die Direktorin Jutta Waschke auf die Notwendigkeit hin, sich diesen Anforderungen einer digitalisierten Welt zu stellen und jener als Schule Rechnung zu tragen. Internetrecherche, schneller Zugriff auf Quellen, ort- und zeitunabhängiges Lernen und Arbeiten – das alles seien inzwischen selbstverständliche Bestandteile der heutigen Berufswelt. Eine Schule, die junge Menschen auf die Berufswelt angemessen vorbereiten wolle –müsse sich diesen Herausforderungen stellen. Außerdem sei natürlich auch die Motivation, die dadurch bei Schülern ausgelöst werde, für erfolgreiche Lernprozesse nicht zu unterschätzen. Dieser Ansatz wurde im Anschluss von dem Medienpädagoge Tobias Bachert vertieft bei seinem Vortrag über die Chance des Smartphone- und Tablet-Einsatzes im Fachunterricht.

Im weiteren Verlauf der Fortbildungsveranstaltung haben die Lehrerinnen und Lehrer die theoretischen Grundlagen dann auch gleich in diversen Workshops praktisch erproben können. Diese wurden unter anderem von anderen Lehrkräften, den sogenannten IT-Scouts des Johanneums, aber auch von Mitarbeitern des Kreises angeboten. Hier konnten Lehrer und Lehrerinnen beispielsweise eine App ausprobieren, mit der man Videos didaktisiert: Sie lernten diese unkompliziert zu schneiden und mit Kommentaren zu versehen oder gezielte Fragen einzubauen, die vom Lernenden richtig beantwortet werden müssen, bevor das Video weiter abgespielt werden kann. Eine andere App ermöglicht die Erstellung eines digitalen Tafelbildes, das jeder Einzelne von seinem Tablet aus mitgestalten kann. Weiterhin konnten die Lehrkräfte lernen, wie man Dokumentationen von Unterrichtsprozessen erstellt (beispielsweise ein Versuchsaufbau im Physikunterricht oder eine Präsentation), um diese anschließend im Unterricht zu analysieren. Im Unterricht digital gesicherte Ergebnisse können zudem schnell und unkompliziert im schulinternen Netz iServ eingestellt und so für ganze Lerngruppen zugänglich gemacht werden. So konnte das Lehrerkollegium vielfältige Möglichkeiten kennenlernen, wie der Unterricht durch die neuen Medien sinnvoll für den Schulalltag nutzbar gemacht werden können, wie sie Lernprozesse unterstützen und Ergebnissicherungen zeitsparend vereinfachen können. Und sei’s nur, um mal eben zu googlen, wer schon in der Antike die Meinung vertreten hat, man lerne für das Leben…

 

DILL-Zeitung vom 15.11.2016

 

Foto: Lehrkräfte bei der Arbeit Tablets in einem Workshop. Die Betreuung wird durch die IT-Scouts gewährleistet.