Johanneum Gymnasium Herborn

Johanneum Gymnasium – Schule mit musikalischem Schwerpunkt

Im Jahr 2005 hat das Johanneum vom Hessischen Kultusministerium das Gütesiegel „Schule mit musikalischem Schwerpunkt“ verliehen bekommen. Damit wurde unsere bisherige bereits überdurchschnittliche Arbeit im Fachbereich Musik gewürdigt.

Mit Hilfe des Schwerpunktes Musik können unsere Kinder mutig, selbstbewusst, teamfähig, kreativ und lernbereit werden.

Schwerpunkt Musik bedeutet ein spielerisches Erlernen von Schlüsselqualifikationen, ein Lernen mit „Kopf, Herz, Hand und Fuß“ und ist ein erfolgreiches Konzept.

„Es ist die Musik, die den Menschen zum ganzen Menschen macht. In ihr kommen Gefühl und Geist, Seele und Körper zur Einheit.....Unsere so unterschiedlichen Empfindungen und Seelenregungen – Schmerz und Trauer, Hoffnung und Liebe, Angst und Zuversicht – finden ihren wahren Ausdruck oft in der Musik.....

Gründe für ein aktives Musizieren und für eine gute musische und musikalische Bildung sind längst alle genannt, sie sind alle unbestritten, sie brauchen eigentlich nicht noch einmal von neuem wiederholt zu werden.

  • Inzwischen wissen wir alle, dass Musizieren der Intelligenz zumindest förderlich ist,
  • inzwischen wissen wir alle, dass musisch kreative Menschen auch in anderen Bereichen des Lebens zu größeren Leistungen fähig sind,
  • inzwischen wissen wir, dass die Bildungsmisere keineswegs bloß mit einer Verstärkung von Wissensfächern behoben werden kann,
  • inzwischen wissen wir, wie sehr das Gemeinschaftserlebnis im Chor oder im Orchester die soziale Kompetenz fördert,
  • inzwischen wissen wir, wie sehr ein guter musischer Unterricht, ob Kunst, Musik oder Theaterspielen, das allgemeine Lernklima an einer Schule positiv verändert
  • inzwischen wissen wir, welche Bedeutung das Erlernen eines Instrumentes für die Selbstdisziplin hat......

Eine Schule, die nicht Verstand und Sinne gleichermaßen anspricht, kann jungen Menschen keine Orientierung geben.“

Aus: Johannes Rau, Den ganzen Menschen bilden – wider den Nützlichkeitszwang, Plädoyer für eine Bildungsreform, Beltz Verlag, S. 254 ff

Im Einzelnen werden durch Musik zum Beispiel die folgenden Qualifikationen erheblich gefördert:

  1. soziale Aspekte

Zuhören können, Rücksicht nehmen, sich gegenseitig verbal und nonverbal unterstützen, Verlässlichkeit lernen, jeder ist wichtig, stabile Freundschaftsbeziehungen durch gemeinsames Musizieren aufbauen, Vertrauen entwickeln, Teamfähigkeit.

  1. lernpsychologische Aspekte

Förderung der flexiblen Wahrnehmung, Verknüpfung der Gehirnhälften, unterschiedliche Gehirnareale werden gleichzeitig aktiviert

  1. Stärkung der Persönlichkeit

Stärkung des Selbstbewusstseins

  1. Musik hat einen eigenen Stellenwert und fördert nicht nur die Schlüsselqualifikationen.

Besonders stolz sind wir auf unsere beiden Bläserklassen 5 und 6, in denen seid dem Schuljahr 2002/2003 Kinder ein sinfonisches Blasinstrument lernen und als Klassenverband musizieren. Neben dem Musikunterricht erlernen die Kinder ihr Instrument in einer zusätzlichen Stunde bei einem privaten Lehrer in ihrem Register.

In der Klasse 6 ist der Musikunterricht darüber hinaus dreistündig.

Knapp 200 Schüler/innen haben so mittlerweile Musik mit „Kopf, Hand, Fuß und Herz“ erleben dürfen.

In der Orchester AG I (ab Klasse 9, zweistündig, Ltg. Frau Kordes-Kögel) und der Orchester AG II (ab Klasse 7, zweistündig, Ltg. Herr Blumrich) findet das Projekt Bläserklasse seine Fortsetzung.

In der Jahrgangsstufe 8, in der regulär kein Musikunterricht stattfindet, bieten wir im Rahmen des Wahlunterrichts zweistündigen Unterricht an.

„Die Welt ist übervoll von „sound“, aber immer weniger Menschen singen.

Chöre sind wichtige Biotope des Gesangs, denn Singen ist gut für den Menschen.....

Im Singen üben wir spielend Zusammen-Leben: Was wir beim Chorsingen intuitiv tun, ist einstimmen, sich abstimmen, aufeinander hören; ein Training sozialer Schlüsselqualifikationen. Spielerisch üben wir Haltungen, die zum Du und zum Wir aufschließen.“

Markus Eham „Melodie unseres Lebens“ aus: Singen mit Herz und Mund, ein Lesebuch von Meinrad Walter, Schwabenverlag Carus, S.16

„Das Singen ist die eigentliche Muttersprache aller Menschen: denn sie ist die natürlichste und einfachste Weise, in der wir ungeteilt da sind und uns ganz mitteilen können – mit all unseren Erfahrungen, Empfindungen und Hoffnungen.“

Yehudi Menuhin, Manifest für „Il canto del mondo“ aus: Hermann Rauhe: Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden, Murmann Verlag, S. 89

„Beim Singen bin ich auf kein Instrument angewiesen. Das macht Singen zu einer einzigartigen Möglichkeit der Kommunikation. Mit dieser Kommunikationsgabe kann jeder Mensch mit sich selbst und anderen in Beziehung treten. Beim gemeinsamen Singen “erklingen“ wir als Individuum, erleben uns als Individuum. Gleichzeitig können wir im Klang mit anderen Individuen verschmelzen und mit Ihnen ein neues Ganzes bilden, eine neue Einheit.“

Hermann Rauhe:Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden, Murmann Verlag, S. 92

Es ist uns ein besonderes Anliegen, die Kinder zum Singen zu motivieren.

Eine Klasse 5 wird seit dem Schuljahr 2012/13 als Gesangsklasse unterrichtet. Die Kinder bekommen begleitend von einer Gesangspädagogin Stimmbildung in kleinen Gruppen.

Eine Besonderheit ist unser Chorprojekt in der Oberstufe.

Der Oberstufenchor setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • Singkurse der Grundkurse Musik E (nicht zwei- sondern dreistündig) und Q1/2
  • Leistungskurse Musik Q1/2 und Q3/4
  • Grundkurs Q3/

Damit singen etwa 90 Schüler/innen in dem Chor mit.

Die Chorproben finden im Musikunterricht statt, wenn stundenplantechnisch möglich Kurs übergreifend. In regelmäßigen Abständen treffen wir uns zu Gesamtproben.

Das Chorprojekt ist ein gutes Beispiel für kollegiale Zusammenarbeit und spricht für die gute Atmosphäre im Fachbereich Musik.

Eine feste Einrichtung im Rahmen „Schule mit musikalischem Schwerpunk“ sind unsere Leistungskurse in der Jahrgangsstufe Q1/2 und Q3/4, die das Chorprojekt unterstützen und eigene Konzerte gestalten.

Abgerundet wird unser musikalisches Angebot zur Zeit durch das Klassische Orchester (ab Klasse 5, Herr Senz) und den Unterstufenchor 5/6 (Frau Katzmarek).

„Bildung ist mehr als Pisa. Musikalische Bildung erst recht.....Die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und seine Lebensqualität hat auch mit dem Sinn für das Schöne zu tun, für das nicht Verzweckte, für das Musische.“

Aus: Johannes Rau, Den ganzen Menschen bilden – wider den Nützlichkeitszwang, Plädoyer für eine Bildungsreform, Beltz Verlag, S. 253 und 259

Dieter Senz