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Berichte / Presse

Fair wirtschaften – anders leben

Am vergangenen Dienstag besuchte der Wirtschaftsjournalist und Autor Dr. Wolfgang Kessler das Johanneum Gymnasium. Zunächst diskutierte Kessler mittags mit einer Auswahl von 45 Schülern des aktuellen Abiturjahrgangs im Rahmen des Unterrichts im Fach Politik und Wirtschaft. Am Abend präsentierte er seine gesellschaftspolitische Analyse einem interessierten Publikum von ca. 80 Gästen.

Auf Initiative des Fachbereichs Politik und Wirtschaft mit Unterstützung des Fördervereins der Johannea e.V. sowie der Leserinitiative der Zeitschrift Publik-Forum folgte der vom Bodensee stammende Autor der Einladung an das Herborner Gymnasium.

In seinem Vortrag sprach er über die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Von der Klimakrise und Migration über soziale und globale Ungleichheit, der Macht der Finanzkonzerne bis hin zur Digitalisierung der Arbeitswelt fehlte nichts auf Kesslers Agenda.

Er berichtete von fünf mutmachenden Beispiele, die als Alternativen zu einer von Profit und Konsum getriebenen Weltwirtschaft gelten können. Darunter das „Fairphone“, ein nachhaltiges und fair produziertes Smartphone eines Niederländischen Unternehmers. Oder der Baseler Ökobonus, den die Bürger und Unternehmen jährlich erhalten. Finanziert wird dieser Anreiz zum Energiesparen über eine zusätzliche Abgabe auf den Strompreis. Diese „Inseln im Meer des Gewinnmaximierungs-Kapitalismus“ zeigten „im Kleinen, was im Großen mögliche wäre“. 

Aufbauend auf diesen Alternativen forderte er eine Politik, die soziale und ökologische Prinzipien fördert. Dazu gehöre eine gerechtere Verteilung des Reichtums, eine Stärkung des Staates, der Einstieg in eine gerechte, ökologische Wirtschaftsweise, ein fairer statt freier Welthandel sowie Investitionen in die Armen mit durchdachten Konzepten eines Grundeinkommens.

Er endete mit der Aufforderung, das eigene Denken und Handeln zu hinterfragen sowie alle Möglichkeiten der politischen Teilhabe zu nutzen. Er motivierte die Zuhörer ihre Wahlmöglichkeiten als Konsumenten zu nutzen – sei es beim Kleiderkauf, bei der Wahl des Stromerzeugers, der Ernährung oder beim Anlegen des Ersparten. „Mischen wir uns ein!“ verlangte Kessler. Die Schüler der Fridays-for-Future-Bewegung, das Bienenvolksbegehren in Bayern oder die Zehntausenden, die gegen Mietwucher protestieren, hätten es vorgemacht.

Während die Schülerdiskussion am Mittag unter anderem geprägt war von einem kritischem Dialog über Fairtrade- und Bioprodukte, einer möglichen Übertragung des Baseler Modells auf Deutschland sowie verschiedenen Konzepten des Grundeinkommens, wurde am Abend im Anschluss an Kesslers Vortrag auch lebhaft über die Möglichkeiten der Elektromobilität gestritten.

Wolfgang Kessler überzeugte dabei sowohl Abiturienten als auch Gäste der Abendveranstaltung mit seiner inhaltlichen Kompetenz, seiner Zuversicht aber auch mit seinem angenehmen Vortragsstil und seiner sympathischen und menschlichen Art. Dr. Dr. Matthias Quarta, als Vorsitzender des Fördervereins und Mitinitiator der Veranstaltung unter den Zuhörern, fasste es treffend zusammen „Ein Gewinn für jeden Zuhörer!“. So gingen nicht nur die Schüler am Mittag, sondern auch die Gäste am Abend mit einem guten Gefühl und der Gewissheit, etwas verändern zu können nach Hause.

Joachim Ullrich

(Fachsprecher Politik und Wirtschaft)

 

 

Zur Person – Dr. Wolfgang Kessler

Aufgewachsen in Ravensburg und geprägt von der Mitgliedschaft in der katholischen Jugend, studierte der Schwabe Wirtschaftswissenschaften in Konstanz, Bristol und an der London School of Economics. Nach seiner Promotion und einem kurzen Engagement beim Internationalen Währungsfonds, welches er aus moralischer Sicht nicht mit seiner katholischen Erziehung vereinbaren konnte, wurde Kessler nach einigen Jahren als freiberuflicher Wirtschaftsjournalist Chefredakteur der Zeitschrift Publik-Forum. Dieses Amt hatte er für 20 Jahre bis zum Beginn seines Ruhestands 2019 inne.

Er war nicht nur Gast in Talkshows und Fernsehsendungen, sondern moderierte auch zahlreiche Diskussionen – unter anderem auf Kirchentagen. In diesem Rahmen traf er mehrfach Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft – unter ihnen Kanzlerin Angela Merkel, der heutige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sowie Dieter Zetsche, bis vor Kurzem Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.

Im Jahre 2007 wurde er für sein öffentliches Wirken für „Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung“ mit dem Internationalen Bremer Friedenspreis ausgezeichnet. Sein neuestes Buch heißt „Die Kunst den Kapitalismus zu verändern“.

 

Öffentlicher Vortrag am Johanneum

 

 

Veranstaltung im Rahmen des PoWi-Unterrichts

 

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