Aktuelles
- Aktuelles / Presse / Berichte
- Berichte/Presse
- Mitteilungen
- Aktuelle Änderungen bei der Busbeförderung
- Archiv
- Schuljahr 2024 - 2025
- Schuljahr 2023 - 2024
- Schuljahr 2022 - 2023
- Schuljahr 2021 - 2022
- Schuljahr 2020 - 2021
- Schuljahr 2019 - 2020
- Schuljahr 2018 - 2019
- Schuljahr 2017 - 2018
- Schuljahr 2016 - 2017
- Schuljahr 2015 - 2016
Aktuelles Schuljahr
Berlin - eine einzigartige Reise mit einer einzigartigen Fußball-Mannschaft
Durch Siege im Kreisentscheid (12 Teams, Herbst 2024), Regionalentscheid (4 Teams, Frühjahr 2025) und im Landesentscheid (8 Teams, Frühsommer 2025) löst die Fußball-Schulmannschaft der Jahrgänge 2009/2010 des Johanneum Gymnasiums Herborn als Hessenmeister ihr Ticket für das Bundesfinale im Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia". Es wird vom 21.-25.09.2025 in der Bundeshauptstadt ausgetragen.
Tag 1 - Sonntag, 21.09.2025 - Anreise
Das Land Hessen und der Hauptsponsor des Wettbewerbs, die Deutsche Bahn, spendieren uns die Hin- und Rückfahrt. Auch der Förderverein Johannea e. V. bringt sich großartig ein. Finanziell müssen wir uns nicht weiter kümmern. Danke dafür!
Aufatmen am Herborner Bahnhof. Alle Hessenmeister sind pünktlich um 8 Uhr vor Ort und wohlauf. Fast alle haben an einem der beiden Tage zuvor noch ein Spiel für ihre Vereinsmannschaft ausgetragen. Alle tragen voller Stolz ihre weiß-roten Hessen-Jacken, mit denen das Land seine Sieger ausstattet. Gruppenfoto auf der altehrwürdigen Bahnhofstreppe - mit Herborn-Fahne. Einsteigen in den pünktlich einfahrenden Zug nach Gießen. Viele Eltern winken und etliche reisen nach, um uns in Berlin zu unterstützen.
Mit jedem Umsteigen wächst die Erkenntnis, an einem wirklich großen Wettbewerb teilzunehmen. Auf dem Bahnsteig in Gießen treffen wir zu unserer Überraschung bereits auf ein weiteres, gleichaltriges Fußball-Team. Gießen hat sich ebenfalls qualifiziert. Im gleichzeitig stattfindenden Paralympic-Wettbewerb. Gemeinsames Gruppen-Foto! Wir werden aufgrund unserer Jacken von sportinteressierten Bahnreisenden angesprochen und mit guten Wünschen auf die Weiterreise geschickt. Im ICE düsen wir durch Hessen nach Hannover. Die meisten von uns in Sechser-Kabinen. Sein Handy hat fast jeder mal in der Hand, aber einige Jungs spielen auch Karten oder unterhalten sich. So soll es sein.
In der niedersächsischen Landeshauptstadt wuseln ungezählte Teams durch den Bahnhof. Hockey- und Tennis-Spieler erkennt man an ihrer Ausstattung. Eine elendlange Tasche wird aus einem anhaltenden Zug getragen: Sind das Stabhochspringer eines Leichtathletik-Teams? Vermutlich! Wir sehen Landessieger aus Bremen, NRW, Niedersachsen - und Hessen. Eine ältere Dame spricht aus, was wir alle fühlen: "Eure Jacken sind am schönsten!" Das ist selbstverständlich wichtig, denn unsere Jungs sitzen auf der Weiterfahrt in einem Wagen mit hübschen Tennisspielerinnen.
Der Berliner Hauptbahnhof gleicht an diesem mittlerweile schwülwarmen Sonntagnachmittag einem Ameisenhaufen. Der Berlin-Marathon geht zu Ende, gleichzeitig reisen mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler an, um in den kommenden Tagen in ihren Sportarten am Bundesentscheid teilzunehmen. Die Luft ist stickig. Wir müssen eine Weile suchen, um die Akkreditierungs-Meile von "Jugend trainiert..." zu finden. Wir erhalten Ausweise - als Spielerpass und Freifahrtschein für Bus und Bahn. Mit der S-Bahn geht es zum Hotel Aleto am Bahnhof Zoo.
Vielleicht saßen und lagen hier auf der Straße früher noch mehr Menschen, die kein Zuhause mehr haben und sich in Suff und Drogen verlieren. Die Bilder sind trotzdem heftig. Zwei Welten prallen aufeinander. Wo führt uns unsere Reise einmal hin?
Zunächst kurz ins Hotel, das fast komplett für die unterschiedlichsten Schulmannschaften geblockt wurde. Dann rasch weiter zur hessischen Landesvertretung. Das Land hat seine 28 Schulteams eingeladen. Sie werden von 15 Schulen gestellt. Das Johanneum wird lobend hervorgehoben. Beim 1a-Abendessen (vielen Dank!) erfahren wir warum: Für viele Sportförderschulen und Partnerschulen des Leistungssports gehört dieser Wettbewerb mittlerweile längst zum Alltag. Und wie so oft kann man das, was zur Gewohnheit wird, nicht mehr unbedingt angemessen würdigen. Einige Betreuer klagen uns ihr Leid. Kurzfristige Absagen von Schülerinnen und Schülern. Sie seien satt. Würden dem Vereinstraining den Vorrang vor dem Bundesfinale einräumen. What?
Es ist mittlerweile dunkel geworden. Im Garten der Landesvertretung hängen stimmungsvolle Lichterketten. Für uns ist diese Reise etwas Besonderes! Gruppenfoto! Auch am nahegelegenen Brandenburger Tor. - Wie oft wir klarstellen dürfen: Ja, wir spielen Fußball, aber nein: Wir kommen nicht aus Frankfurt und nicht von der Carl-von-Weinberg-Schule, die hier Vielen ein Begriff ist. Die Sportschule arbeitet eng mit der Frankfurter Eintracht zusammen und hat den Bundesentscheid in den vergangenen Jahren schon häufiger gewonnen. Zurück ins Hotel. Morgen spielen wir Fußball. Im Bundesfinale!
Tag 2 - Montag, 22.09.2025 - Gruppenphase
Wecken um 6:45 Uhr. Frühstück um 7:00 Uhr. Kurzer Austausch mit anderen Trainern. Viel Glück! Abfahrt mit der U-Bahn zum Olympia-Park um 8:00 Uhr. Es hat die ganze Nacht geschüttet, aber der Tag bleibt trocken. Das Gelände rund um das Olympia-Stadion ist riesig. Wir ziehen uns in der Sportschule um. Gemeinsam mit dem Landessieger aus Bayern. Er kommt aus Nürnberg. Was für Riesen! War nicht unser Mitspieler Kiril Serdiuk vor einem Jahr dorthin ins Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg gewechselt? Klar, die Jungs aus dem Fränkischen kennen ihn. Manchmal ist die Welt dann doch nicht so groß, wie sie einem hier erscheint. Im Sommer ist Kiril zum VfB Stuttgart gewechselt. Er spielt also weder für Nürnberg noch für Herborn.
Aber wir spielen. In der ersten von vier Vierergruppen. Zunächst etwas nervös im ersten Spiel gegen den Landessieger aus Sachsen. Gespielt wird zweimal 15 Minuten. Nick Ziegler bricht aber zu Beginn der zweiten Halbzeit den Bann. Unser schnellster Spieler wird auf der linken Außenbahn steil geschickt, dringt in den 16er ein und trifft oben links. Sachsen ist gut, aber wir sind nun klar besser. Noch einen Tick spritziger und konsequenter als unser Gegner. Sam Göbel passt im Strafraum quer. Nick ist erneut zur Stelle. 2:0. Abpfiff. Erstes Spiel gewonnen! Wir strahlen und werden von unserem Anhang gefeiert! Wir sehen kein anderes Team mit ähnlich vielen Fans.
Das Durchschnaufen ist kurz. Ein Spiel Pause. Dann geht es weiter. Gegen den Landessieger aus Niedersachsen. In seinen Reihen steht - vermutlich fast ausnahmslos - der Nachwuchs von Hannover 96. Baumlange Kerle. Abgezockt. Ballsicher. Der Mittelstürmer ist - wie wir später erfahren - U17-Nationalspieler. Wir wehren uns nach Kräften und lassen nur einen Gegentreffer zu. Nach einem höchst umstrittenen Elfer gegen uns. Bis in den Strafraum des Gegners kommen auch wir zuweilen, werden aber geblockt. Alle "zweiten Bälle" landen bei den Gegenspielern. Da ist auch Pech dabei. Wir verlieren. Aber knapp. Die ersten Beiden der Vorrundengruppen qualifizieren sich fürs Viertelfinale! Können wir das noch schaffen? Der erste Matchball ist vergeben. Köpfe schnell wieder hoch! Wieder nur ein Spiel Pause. Dann heißt der Gegner Rheinland-Pfalz. Uns erwarten gute Jungs von Mainz 05. Sie haben ebenfalls gegen Sachsen gewonnen und gegen Niedersachsen verloren. Aber unser Torverhältnis ist um ein Tor besser. Uns reicht ein Unentschieden! Das könnten wir doch vielleicht schaffen...
Die erste Spielminute nährt unsere Hoffnung. Sam Göbel steckt auf seinen Zwillingsbruder Dean durch. 1:0. Dabei bleibt es bis zur Halbzeit. Mainz bleibt seltsam passiv. Lässt uns oft den Ball. Das ist nicht unbedingt unser Spiel. Aber wir nehmen es an und Mainz nach der Pause auseinander, trotz einiger mittlerweile angeschlagener Spieler. Nick Ziegler trifft erneut. Dieses Mal oben rechts in den Winkel. Dean Göbel und Marlon Groos stellen nach schönen Spielzügen auf 4:0! Abpfiff! Was für ein Gala-Auftritt unseres Teams! Viertelfinale! Als Gruppenzweiter! Top Acht kann uns keiner mehr nehmen! Morgen geht es gegen Schleswig-Holstein!
Zurück zum Hotel. Duschen. Döner um die Ecke als Belohnung. Zurück zum Olympia-Stadion. Jetzt ins große. Für die Spiele 1936 erbaut. Heim der Hertha, auf deren Trainingsplätzen wir gespielt haben. Was für ein monumentaler Bau! Ein supernetter Holländer führt uns durchs Stadion, die Umkleidekabinen, den VIP-Bereich.
Der Abend gehört den Jungs. Das haben sie sich verdient. Sie streifen in kleinen Gruppen durch Berlin. Einige sehen "The Rock". Dwayne Johnson ist zur Deutschland-Premiere seines neuesten Films in Berlin. Das Kino liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Hotel. Die Tagesthemen zeigen Bilder. Jetzt sind wir ja quasi sogar im Fernsehen! Naja, fast. Aber in den sozialen Netzwerken werden wir offenbar gefeiert. In und um Herborn. Und die hessische Delegation in Berlin ist ebenfalls entzückt: Ihr habt es wirklich ins Viertelfinale geschafft? Haben wir!
Tag 3 - Dienstag, 23.09.2025 - KO-Phase
Wer am Vortag gewinnt, spielt am Folgetag später. So sieht es der Turnierplan vor. Platz 2 in der Gruppe heißt für unsere Jungs: Ausschlafen, oder zumindest eine Stunde später aufstehen. Also kurz vor 8:00 Uhr. Frühstück im Hotel, Fahrt zum Olympia-Park. Die Entfernungen scheinen mit jedem Tag zu schmelzen. Gespannte Vorfreude. Die Sonne strahlt mit uns um die Wette. "Unsere" Kabine ist leer. Stimmt ja, die Nürnberger Jungs spielen längst. Leichte Ungläubigkeit, dass auch sie hinter uns gelandet sind. Die Kabine gehört uns also allein. Die Jungs hören laut Musik. Dann rüber zu Platz 6. Ein kleiner, im 16er recht holpriger Naturrasen. Sachsen spielt gerade. Schleswig-Holstein ist schon da. Unser Schulleiter, Christian Betz, auch. Er ist gestern angereist. Unsere Fan-Kurve nimmt ihn in die Mitte und zeigt vor dem Anpfiff gleich mehrfach über einen tragbaren Lautsprecher lautstark musikalisch Flagge: "Erbarme, zu spät: die Hesse komme!"
Erstmal kommt der Gegner. Körperlich ist er uns deutlich überlegen. Aber wir halten dagegen. 0:0 zur Pause. Zweite Halbzeit. Gerade als es scheint, dass das Spiel in unsere Richtung kippt, fressen wir einen sauber ausgespielten Konter: 0:1. Das erste Gegentor aus dem Spiel heraus seit dem Regionalpokal! Das haut uns nicht um. Die Jungs bleiben fokussiert, geben noch mehr Gas, kommen zu mehreren gefährlichen Abschlüssen. Lenny Kowalski bricht über unsere rechte Seite Richtung Strafraum durch, wird klar gefoult. Die Tat ist unstrittig, der Tatort nicht. In Absprache mit dem Linienrichter legt ihn der Schiedsrichter in den Strafraum. Elfmeter für uns. Lennox Spoo nimmt sich den Ball und schießt ihn übers Tor. War's das?
Ab dem Viertelfinale dauern die Spiele 2x 20 Minuten. Trotzdem läuft uns die Zeit langsam davon. Schleswig-Holsteins starker Torwart lenkt einen strammen Fernschuss von Sam Göbel über die Latte. Eckball. Marlon Groos tritt ihn. Sein Ball sucht und findet Mattis Lorenz am langen Pfosten. Kopfball als Bogenlampe über den Torwart. Dean Göbel vollendet. 1:1. Elfmeterschießen!
Schleswig-Holstein darf beginnen - ein Vorteil. Verwandelt, wir verschießen. Dann wendet sich das Blatt. Die Schützen aus dem hohen Norden treffen nur noch zweimal. Einmal scheitern sie an unserem Torwart, Levi Hoffmann; einmal zielen sie deutlich zu hoch. Wir treffen dreimal in Folge. Und haben noch einen letzten Versuch! Erneut tritt Lennox Spoo an und riskiert viel. Bislang hat sich der gegnerische Torwart jeweils recht früh für eine Ecke entschieden. Also zielt er halbhoch in die Mitte. Und trifft. Halbfinale! Spieler und Anhang liegen sich in den Armen.
Wir bezahlen den Sieg teuer. Unser bester Verteidiger, Mattis Lorenz, hatte sich bereits am Vortag das ohnehin angeschlagene Knie geprellt und unter Schmerzen durch das Viertelfinale gequält. Nun geht es nicht mehr. Er liegt am Boden. Und wir mit ihm. Unser Gegner heißt Sachsen-Anhalt. Die Jungs aus dem Sportinternat von Magdeburg spielen Bundesliga. Als sie am Morgen vor uns aus der U-Bahn ausgestiegen waren, haben wir die Sonne nicht mehr gesehen, so groß und breit sind sie. Wie sollen wir da 40 Minuten ohne unseren einzigen großen Abwehrspieler überstehen? Wir müssen wohl! Mit Philip Lang rückt ein weiterer Spieler des Jahrgangs 2010 in unser ohnehin junges Team, Bruno Kießling wechselt in die Innenverteidigung.
Es geht auf Platz 8. Einen besseren Rasen kann es nicht geben. Unfassbar. Perfekte Bedingungen. Das Spiel wird per Livestream übertragen. Das komplette Johanneum schaut uns zu. Die haben schulfrei wegen uns! Zu sehen ist allerdings nicht viel. Die Kamera ist recht weit weg vom Geschehen, schwenkt und zoomt nicht.
Sachsen-Anhalt diktiert von Beginn an die Rollenverteilung in diesem Halbfinalspiel, lässt den Ball und uns laufen. Aber nicht in höchstem Tempo. Und viel zu selten über die gesamte Breite des Platzes. Das versetzt uns in die Lage, die bespielten Räume immer wieder zuzulaufen. Wir verschieben und kämpfen großartig. Hier und da fällt ein Ballgewinn für uns ab, aber zu großen Chancen kommen wir nicht. Trotzdem nährt der Pausenpfiff unsere Hoffnung, uns vielleicht in ein erneutes Elfmeterschießen retten zu können. Wir leiden in der zweiten Halbzeit. Alle gehen ans Limit. Auch Moritz Wutzler, der für diese Partie zwischen die Pfosten gewechselt war. Irgendwie schaffen wir es. Und nicht mal unverdient. Elfmeterschießen. Wir treffen erneut viermal, unser Gegner aber mit jedem seiner fünf Schüsse. Tiefe Trauer. Und großes Erstaunen. Der Gegner jubelt kaum. Wie viele Finale muss man erreichen, um sich über ein weiteres kaum mehr zu freuen?
Wir liegen erneut am Boden. Aufbauende Worte. Ihr könnt so stolz auf Euch sein! Kopfschütteln. Hadern. Dann stehen die ersten wieder auf, um auf diesem traumhaften Teppich einfach noch ein bisschen weiterzukicken. Die Jungs haben gewaltig einen an der Waffel! Wenn wir im Anschluss keinen Termin im Bundestag hätten, würden sie vermutlich bis zum Sonnenuntergang weiterspielen.
Aber unser LDK-Mann im Bundestag, Johannes Volkmann, hat uns eingeladen. Es bleibt kaum Zeit zum Duschen. Und zum Essen eigentlich auch nicht. Wir improvisieren, bestellen vor: Lahmacun für unterwegs. Wir fahren zum Regierungssitz. Was für gewaltige Gebäude! Der CDU-Abgeordnete empfängt uns mit einem Schal unserer Schule um den Hals, gratuliert uns, erzählt von sich und seiner Arbeit, zeigt uns den Reichstag. Armin Laschet grüßt ihn im Vorbeigehen, Hendrik Streeck bleibt kurz stehen und fragt nach dem Grund für den Schal. Die Aussicht vom Dach ist einzigartig. Gruppenfoto. Und rauf in die Kuppel. Sonnenuntergang. Kurzer Abstecher auf die Besuchertribüne des Reichstags und dann raus in die Berliner Nacht. In der Nachbarschaft gibt es so eine Art Public Viewing, eine Doku über die Wiedervereinigung. Wenn es nicht so kalt wäre, würden wir vielleicht länger bleiben. So geht es zurück ins Hotel. Morgen wartet das Spiel um Platz 3.
Tag 4 - Mittwoch, 24.09.2025 - Spiel um Platz 3
Aufstehen, Frühstück und raus in die Berliner Luft. Sie ist an diesem Morgen sehr klar und sehr kalt. Mit der U-Bahn Richtung Olympia-Stadion. Umziehen. Fast schon vertraute Abläufe.
Unser Spiel ist - wie wir erfahren - von dem eher schmucklosen Platz 2 auf den wunderbaren Platz 8 verlegt worden. Alle strahlen, nochmal auf diesem Teppich spielen zu dürfen. Auch die Zuschauer haben hier mehr Platz und Dank der Tribüne eine bessere Sicht. Sie sehen die nächste Bundesligamannschaft, mit der wir uns messen dürfen, beim Aufwärmen. Die meisten U17-Spieler von Energie Cottbus gehen auf dieselbe Schule. Ihr Team vertritt das Bundesland Brandenburg.
Wir wechseln durch. Zwei unserer Jüngsten, Ben Dintelmann und Eren Yegit, rutschen in die Startelf und beginnen erstmals. Nicht jeder versteht das. Vielleicht in ein paar Jahren. Beide machen ein prima Spiel und bestätigen die Leistungen, die sie bei ihren bisherigen Einwechslungen bereits zeigen konnten. An ihnen liegt es nicht, dass wir kurz vor der Halbzeitpause zwei Gegentore kassieren. Der heutige Gegner ist ähnlich stark wie die gestrigen, liest uns aber besser. Er macht das Spiel schnell und breit. Die Räume am Rande des riesigen Rasens können wir nicht durchgehend fehlerlos zulaufen, geschweige denn die ballführenden Gegenspieler hier bei jedem ihrer Angriffe erfolgreich doppeln. Insofern ist das 0:2 zum Seitenwechsel ein völlig normales und auch gerechtes Ergebnis. Auch wenn die Enttäuschung in vielen unserer Gesichter steht. Aber eigentlich unterstreicht diese erste Halbzeit doch nur, wie außergewöhnlich wir an den Vortagen unterwegs waren. Und daran wollen wir in der zweiten Halbzeit anknüpfen!
Lenny Kowalski setzt mit einem Tempodribbling über unsere rechte Seite eine erste Duftmarke und wird erst im letzten Moment geblockt. Hoffnung keimt auf. Cottbus erstickt sie humorlos. Einen Schuss nach einer Ecke - mit clever einstudierten Laufwegen - kann Levi Hoffmann in unserem Tor noch parieren, den Nachschuss aus dem Gewühl heraus nicht. 0:3. Köpfe runter? Nicht mit uns! Noch sind 11 Minuten zu spielen! Wir bleiben mutig, stehen höher, pressen, kombinieren, schießen und zwingen den gegnerischen Torwart zu mehreren Glanzparaden. Sogar einen Foulelfmeter wehrt er großartig ab.
Ein Treffer bleibt uns letztlich verwehrt, aber wir verdienen uns Platz 4 redlich. 12 Teams stehen bei der Siegerehrung rechts von uns. Sie findet in der Halbzeitpause des Endspiels statt. Ein kleines "Hätte" bleibt beim Blick auf den Verlauf dieses Spiels, denn unser Halbfinalgegner Sachsen-Anhalt, an dem wir ja erst im Elfmeterschießen gescheitert waren, siegt fast mühelos gegen das NRW-Team. Und freut sich endlich auch. Geht doch!
Am Abend folgt noch die Abschlussveranstaltung für alle "Jugend trainiert..."-Teilnehmer in der Max Schmeling-Halle. Sie enttäuscht uns ein wenig. Zu lange Interviews auf der Bühne, zu lange Schlangen an den Versorgungsständen. Zu viele unserer Jungs bleiben letztlich unversorgt. An den noch geöffneten Imbissbuden in der Nähe unseres Hotels werden dann auch sie satt. An der Verpflegung seiner Athleten sollte das Orga-Team des Wettbewerbs dringend arbeiten. Im Umfeld der Fußballplätze war das Angebot minimal und eher ungesund.
Tag 5 - Donnerstag, 25.09.2025 - Abreise
Letztes Frühstück, Zimmer räumen, Sammeln. Letzte S-Bahnfahrt zum Hauptbahnhof. Einstieg in den ICE nach Hannover. Alles läuft. Die Jungs lassen ihre Eindrücke sacken, suchen und finde Worte für das Erlebte: Cool, krass, lustig, geil. Wie schön es war, mit Freunden unterwegs zu sein, sich mit den Großen zu messen. Wie schön das Brandenburger Tor doch ist, wie beeindruckend das Olympiastadion, wie groß das Regierungsviertel. Wie viele Promis sie gesehen haben und wie gut das Fast Food-Essen war. Und gar nicht so teuer wie gedacht. Berlin kommt gut weg. Bekommt im Paket mit dem Bundesfinale von den Jungs im Schnitt eine 1-.
Nur ein paar fanden die Stadt zu hektisch und dreckig. Mehr Freizeit hätten sie gerne gehabt und mehr von den anderen Wettkämpfen hätten sie gerne gesehen.
Vor allem anderen bleibt aber der sportliche Erfolg im Gedächtnis: Wie weit wir gekommen sind!
Eines unserer Trikots soll mit allen Unterschriften gerahmt und in der Schule aufgehängt werden. Legenden-Status.
Hannover - Gießen - Herborn. Wir sind zurück und werden noch am Bahnsteig von vielen Eltern unter großem Beifall empfangen. Ein letztes Mal ertönt “Erbarmen, zu spät: die Hesse komme!”, dann gehen wir auseinander. Und bleiben doch verbunden.
Für Herborn spielten und kämpften in Berlin:
Im Tor: Levi Hoffmann (TSG Wieseck), Moritz Wutzler (JFV FC Aar)
In der Abwehr: Tom Bollmann, Bruno Kießling, Philip Lang (alle JFV FC Aar), Ben Dintelmann (Sportfreunde Siegen), Mattis Lorenz, Lennox Spoo (beide TSV Steinbach Haiger)
Im Mittelfeld: Sam Göbel, Marlon Groos (beide TSG Wieseck), Jonah Selzer, Eren Yegit (beide JFV FC Aar)
Im Angriff: Dean Göbel (TSG Wieseck), Lenny Kowalski (TSV Steinbach Haiger), Nick Ziegler (JFV FC Aar)






