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Pädagogischer Tag am Johanneum-Gymnasium: Gesundheit in der Schule

Im Rahmen eines pädagogischen Tages beschäftigte sich das Lehrerkollegium des Johanneum-Gymnasiums mit der Fragestellung, wie sie für sich und ihre Schülerinnen und Schüler ihren Arbeitsplatz gesünder gestalten können. Denn: „Gute Gesundheit unterstützt erfolgreiches Lernen. Erfolgreiches Lernen unterstützt die Gesundheit. Erziehung und Gesundheit sind untrennbar.“ (Desmond O'Byrne; WHO Genf).

Sarah Rech erläuterte, stellvertretend für die AG „Lehrkräftegesundheit“, die den Arbeitstag im Wesentlichen vorbereitet hatte, in einer kurzen Einleitung, dass bei allen Wünschen nach Veränderung stets mitbedacht werden muss, dass eine bewusstere Hinwendung zu einem gesunden Arbeitsklima in Schulen letztlich auf drei Ebenen erfolgt und angestoßen werden muss. Es gibt äußere durch Kultusministerien entwickelte Rahmenbedingen, institutionelle Rahmenbedingen in der Schule vor Ort und nicht zuletzt eine ganz persönliche Ebene, in der Lehrer wie Schüler der Verantwortung nachkommen müssen, auf sich und ihre Gesundheit zu achten. In allen drei Ebenen lässt sich Einfluss auf ein lernförderliches Arbeitsklima nehmen, wenn sich auch Erfolge naturgemäß in einigen Bereichen erst mit Geduld und Hartnäckigkeit einstellen werden.

Nach einer Übersichtsarbeit der Autoren Prof. Dr. med. Klaus Scheuch, Eva Haufe und Reingard Seibt, die am 15. Mai 2015 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, hat sich aus dem einst klassischen Lehrerberuf ein Kultur-, Gesellschafts- und Sozialberuf mit bürokratischen Tätigkeiten entwickelt, der durch soziale interaktive Emotionsarbeit, hohe Anforderungen und Mehrfachbelastungen gekennzeichnet ist. Scheuch, Haufe und Reingard sprechen in diesem Zusammenhang von einem idealisierten Leitbild, das mit unterschiedlichen Rollen als Erzieher, Partner, Berater, Vermittler, Sozialarbeiter, professioneller Manager und politischer Aufklärer in Verbindung gebracht wird. Ergebnis der Untersuchungen und auch „roter Faden“ für den Pädagogischen Tag am Johanneum Gymnasium war und ist, dass die Gesundheit der Lehrkräfte sich maßgeblich auf die Unterrichtsunterrichtsqualität und damit auf den Lernerfolg auswirkt. „Insbesondere bei ‚ausgebrannten‘ Lehrkräften ist die Qualität des Unterrichts vermindert“ (z. n. Scheuch, Haufe, Reingard, Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 112, Heft 20, 15.5.2015).

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung fanden sich die 130 Lehrerinnen und Lehrer am Vormittag in sieben Gruppen zusammen. Im ersten Teil des Seminars wurden die Arbeitsbedingungen in den Fokus gestellt, die am Johanneum Gymnasium bereits für die gesamte Schulgemeinde als erhaltenswert angesehen werden, wie zum Beispiel eine sehr gute Organisation von Schulleben und Unterricht durch Sekretariat und Schulleitung sowie die unterrichtliche und außerunterrichtliche „Buntheit“ der Schule und der darin arbeitenden Menschen und nicht zuletzt die sehr gute Ausstattung des Gymnasiums.

Im zweiten Teil des Seminars wurden dann Vorschläge erarbeitet, wie sich im Rahmen der Schulgemeinde Stress am Arbeitsplatz reduzieren lassen könnte. Dabei wurden die Lehrerinnen und Lehrer unterstützt von Referentinnen des „medical-airport-services“, der Arbeitsschutzstelle des Landes Hessen. Mit den Gruppenergebnissen soll nun in verschiedenen Gremien der Schule weitergearbeitet werden. Mehrfach genannt wurden hier Stressoren wie Belastung durch Lärm oder auch das Fehlen von wirklichen „Pausen“, da durch die oben genannten Veränderungen der beruflichen Anforderungen die „großen“ Pausen von Schülern wie Lehrern kaum noch als solche genutzt und wahrgenommen werden können.

Am Nachmittag besuchten die Pädagoginnen und Pädagogen zahlreiche Workshops, in denen sie praktische und schnell umsetzbare Erfahrungen für den Schul- und Lebensalltag sammeln konnten: Von Kursen zu „Erste Hilfe im Schulalltag“ über „Gesunde Pausensnacks“ sowie Sprech- und Stimmtraining bis hin zu Entspannungskursen, Rückenschule und Wahrnehmungs- und Bewegungssübungen im Schulalltag konnten die Lehrerinnen und Lehrer Ideen für ihren Arbeitsalltag sammeln. Auch ein Trommelkurs mit der Erfahrungsmöglichkeit des Miteinander-Kommunizierens über Musik und Work-Out-Trainings durften nicht fehlen. Als besonders gelungen bei diesem durchweg durch professionelle Fachtrainer geleitetem Kursangebot empfanden die Lehrinnen und Lehrer eine hohe „Alltagstauglichkeit“. Besonders auf der persönlichen, aber auch institutionellen Ebene wurde so für einen bewussteren Umgang mit Gesundheit nicht nur sensibilisiert, sondern auch Anreiz geschaffen, sich von möglicherweise schon eingeschliffenen, gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen zu trennen. Eigentlich eine altbekannte Wahrheit und an einer so großen Schule wie unserem Johanneum Gymnasium sicher nicht immer ganz einfach umzusetzen, aber: „In der Ruhe liegt die Kraft“ (Konfuzius).

Dr. Barbara Kordes-Kögel

 

Dill-Zeitung vom 21.11.2018

 

 

 Sarah Rech (Leiterin der AG "Lehrkräftegesundheit")

 

 

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