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"Verstehen Sie digitalisch?"

Schulhofwissen für Eltern mit den Digitalen Helden und André Fiebig

Am Dienstag, dem 20. November 2018 fand zum zweiten Mal ein Medienelternabend für die Elternschaft der aktuellen Jahrgangsstufe 5 statt. Rund 70 Zuhörer waren der Einladung der „Digitale Helden AG“ und der Schulleitung des Johanneums gefolgt. Gestaltet wurde dieser Abend von 12 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 8, die sich gemeinsam mit ihren beiden Lehrern Thorsten Butsch und Isabell Braun zum Ziel gesetzt haben, vor allem jüngere Mitschülerinnen und Mitschüler durch Klassenbesuche und mit Schulhofaktionen bei einem verantwortungsbewussten Umgang mit den neuen Medien zu unterstützen.

Zur thematischen Einstimmung nahmen die Eltern wahlweise mit ihren eigenen Smartphones oder mit den schuleigenen iPads an einem digitalen Ratespiel mit dem Titel „Verstehen Sie digitalisch?“ teil. Dort bekamen sie einen ersten Einblick in das sogenannte „Schulhofwissen“:

Die Eltern erfuhren, dass „TikToks machen“ eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist, sie machten Bekannschaft mit der Schockpuppe Momo und der Webvideoproduzentin Katja Krasavice und stellten sich den Fragen, was ein Emote und ein Tell sind (Ersteres bezeichnet einen Jubeltanz im survival shooter Fortnite, letzteres bedeutet das Verfassen einer anonymen Nachricht in der Feedback-App Tellonym).

Die Einspielung des Kurzfilms „Wo ist Klaus?“ machte eindrücklich deutlich, dass heute viele Kinder und Jugendliche von Fremden über soziale Netzwerke oder in Onlinespielen auf der Spielekonsole angeschrieben oder angesprochen werden und dort Beleidigungen und Belästigungen in oft gewaltverherrlichender oder sexualisierter Form ausgesetzt sind, während ihre Eltern sie vermeintlich sicher auf dem heimischen Sofa oder im Kinderzimmer wähnen. In diesem Zusammenhang appelierte Isabell Braun an die versammelten Eltern: „Genauso wie wir unseren Kindern sicheres Verhalten im Straßenverkehr beibringen, so ist es auch unsere Pflicht, sie bei einem umsichtigen Verhalten im Internet anzuleiten!“

Anschließend stellten die Schülerinnen und Schüler die derzeit in der Altersklasse der 10-13jährigen beliebtesten Apps vor und erklärten nicht nur deren Anwendungsmöglichkeiten, sondern zeigten auch Gefahren auf, denen sich Eltern bewusst sein sollten: so dient der Messenger WhatsApp zwar primär dem Senden und Empfangen von Text-, Sprach- und Videonachrichten, doch gibt es gerade in den auch schon in der 5. Jahrgangsstufe weit verbreiteten Klassenchats häufig Ärger mit Kettenbriefen und Spam.  Ebenso spielt das Anschauen und die Weitergabe von nicht altersangemessenen,  gewaltverherrlichenden oder pornographischen Darstellungen zunehmend eine Rolle, gerade wenn die jüngeren Nutzer sich ohne das Wissen ihrer Eltern zu jeder Tages- und Nachtzeit frei im Netz bewegen.

In den ebenfalls angesagten social media-Apps Snapchat und Instagram sowie dem Videoportal YouTube sind die Jugendlichen täglich unterwegs, sie nehmen sich professionelle Influencer wie Lisa und Lena oder Jarow zum Vorbild; doch fehlt gerade den Jüngeren häufig noch das Wissen um den richtigen Umgang mit ihren persönlichen Daten, dem Recht am eigenen Bild oder der Bewertung von Qualität und Herkunft von digitalen Inhalten.

Vertieft wurde die Bandbreite des problematischen Umgangs von Kindern und Jugendlichen mit Smartphones durch André Fiebig, Kriminaloberkommissar bei der Polizeidirektion Lahn-Dill und Mitglied der AGGAS (Arbeitsgruppe gegen Gewalt an Schulen). Aus seiner Sicht könne ein Kind ab der fünften Klasse sein erstes Smartphone besitzen, wenn die Eltern nicht nur selbst Vorbilder in ihrer Mediennutzung seien, sondern auch klare Grenzen setzten: „Ein Smartphone gehört nachts definitiv nicht ins Kinderzimmer!“ Straftatbestände, mit denen sich die Polizei im Zusammenhang mit Smartphones bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt, seien beispielsweise Beleidigung, Nötigung, Bedrohung, Üble Nachrede und Verleumdung genauso wie die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Gerade wenn es um Cybermobbing, Happy Slapping oder Sexting  gehe, würden sich Kinder und Jugendliche oft erst bei erheblichem Leidensdruck an die Erwachsenen wenden. Daher riet er den Eltern: „Begleiten Sie Ihr Kind bei seinen Erfahrungen in der digitalen Welt, lassen Sie sich zeigen, was Ihr Kind anschaut und mit wem es sich schreibt, und sorgen Sie für eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrem Kind.“

 

Infokasten: Wo können Eltern weitergehende Informationen bekommen?

Die Webseite www.mediennutzungsvertrag.de hilft Familien, das Mediennutzungsverhalten aller Familienmitglieder zu reflektieren und gemeinsam Regeln festzulegen.

Auf der Webseite www.klicksafe.de finden Eltern laufend aktualisierte Informationen zu beliebten Apps, deren Anwendungsmöglichkeiten, mögliche Gefahren sowie zu treffende Sicherkeitsvorkehrungen.

 

Dill-Zeitung vom 26.11.2018

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