Fachbereich 1

Das Fach Deutsch

Das Fach Deutsch zeigt sich am Johanneum nicht nur aufgrund seiner personellen Besetzungsstärke, sondern gerade auch wegen seiner hohen Mitwirkung bei der Umsetzung und Ausgestaltung unserer pädagogischen Leitlinien, die im Schulprogramm aufgestellt wurden, und seiner Präsenz im schulkulturellen Bereich als eines der zentralen Fächer an unserer Schule.

Das Attribut „dominant“ wäre in diesem Zusammenhang allerdings fehl am Platze, da sich in didaktisch-methodischer Hinsicht das Fach zwar in den vergangenen Jahren durchaus als (Weiter-)Träger pädagogischer Konzepte etablierte, diese Trägerschaft jedoch immer in einer dienenden Funktion ausübte, da die Erprobung und Evaluierung neuer didaktischer Vorgehensweisen stets als Hilfestellung für andere Fächer verstanden wurde. Hier konnten beispielsweise die fremdsprachlichen Fächer oder Fächer aus dem gesellschafts-wissenschaftlichen Bereich an den Erfolgen unserer pädagogischen Erfahrungen partizipieren und profitieren – oder aber umgekehrt das Fach Deutsch von den eben genannten: Man könnte sagen, ein Prozess des „manus manum lavat“ im besten und ureigensten Sinne pädagogischer Arbeit, die sich an den Bedürfnissen und Ansprüchen des tagtäglichen Lehrens und Lernens realitätsnah orientiert. Überdies gelang es immer wieder, fächerübergreifend didaktisch-methodische Ansätze auszuprobieren und diese der Schulwirklichkeit entsprechend anzupassen.

Ein Aspekt der pädagogischen Arbeit, in denen das Fach Deutsch die bereits erwähnte Mitträgerschaft neuer Konzepte ganzheitlichen Lernens voranbrachte und voranbringt, ist das sogenannte „Neue Haus des Lernens“ – besser bekannt als eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen, kurz EVA. Hier werden neue Methoden des Lernens und Arbeitens anhand fachspezifischer Problemstellungen ausprobiert, untersucht und evaluiert. Dabei kommt es darauf an, neue Lernstrategien für Schülerinnen und Schüler zu entwickeln, die nachhaltig einen motivierenden Lernprozess in Gang setzen und diesen zu einem positiven Lernerfolg im Sinne des dauerhaften Erwerbs kognitiver und methodischer Kompetenzen werden lassen. Dies bedeutet für das Fach Deutsch, den Schülerinnen und Schülern neben inhaltlichen Kenntnissen in Kommunikationsfähigkeit, Stilbewusstsein in Ausdruck und Form, kritischer Beurteilung des eigenen und anderer Standpunkte sowie literarisch-ästhetischem Urteilsvermögen auch Wege und Möglichkeiten zum Erwerb und zur Ausreifung eben dieser Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben.

Um neben dem kognitiven auch einen emotionalen Zugang zu Sprache und Literatur zu schaffen, bietet das Fach Deutsch den Schülerinnen und Schülern ein sehr breites Angebot an Aktivitäten quer durch alle Jahrgangsstufen. So gibt es in den Jahrgangsstufen 5/6 die Lese-AG, das Lyrik-Projekt, den Vorlesewettbewerb und das darin eingebundene Projekt „Leselust“, das den jungen Schülerinnen und Schülern eine wirkliche Begegnung mit Literatur unter ästhetischen Gesichtspunkten ermöglicht. Um diese Begegnung mit Literatur zu einem Erlebnis werden zu lassen, werden in regelmäßigen Abständen Jugendbuchautoren eingeladen, die aus ihren Werken vorlesen und den Schülerinnen und Schülern im Anschluss Rede und Antwort stehen zu Fragen nach dem Zustandekommen eines Jugendbuches. In den Jahrgangsstufen 7 bis10 können die Schülerinnen und Schüler neben dem im Wahlpflichtunterricht verankerten Theaterspiel auch die Theater-AG besuchen und so schauspielerisch ein tiefgründigeren Zugang zur Literatur finden. Durch Preisträgerschaften bei überregionalen Theaterwettbewerben hat sich die erfolgreiche Arbeit, die unabdingbar mit der Person Franz-Josph Neunzerlings verbunden ist, im darstellerischen Bereich bereits jetzt schon ausgezahlt. Diese Arbeit wird in einer Theatergruppe in der Oberstufe fortgeführt und an dramatischen Stücken der Weltliteratur weiterentwickelt.

Auch der Bereich „Schüler machen Zeitung“ zeigt, dass der Umgang mit Gebrauchs- und Sachtexten nicht vernachlässigt wird. Unter der Federführung von Günter Schütz werden nicht nur journalistisches Schreiben geübt und in Artikeln der lokalen Presse angewendet, sondern auch durch Exkursionen die administrativen Abläufe im Pressewesen in Verlagshäuser deutlich gemacht.

Diese Auswahl an Aktivitäten im und begleitend neben dem Deutschunterricht zeigen deutlich, dass die Fachschaft Deutsch im Sinne der Schülerinnen und Schüler daran interessiert ist, über fachspezifische kognitive Kompetenzen hinaus – deren Aneignung und Erprobung ohne Zweifel grundständig und intensiv notwendig ist – prägende Erlebnisse in der Auseinandersetzung mit Sprache zu schaffen und so im Sinne Pestalozzis mit Kopf, Herz und Hand im Unterricht dazu beizutragen, dass Schülerinnen und Schüler zu mündigen, freidenkenden Individuen mit ästhetischem Beurteilungsvermögen werden, die auch einmal den Mut aufbringen, Allzuselbstverständliches neu zu hinterfragen und sich nach ihren Überzeugungen zu verhalten, denn „das große Ziel der Bildung ist“, so der englische Philosoph und Sozialwissenschaftler Herbert Spencer (1820-1903), „nicht Wissen, sondern Handeln.“

 

Im September 2007

 

Stefan Lückel, Fachsprecher Deutsch

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