Johanneum Gymnasium Herborn

Die Klasse 9A besuchte Drogenabhängige in der Vitos-Klinik in Herborn bei einer stationären Therapie für Sucht und Drogenabhängigkeit. Nachfolgend lesen Sie dazu einen Bericht einer Schülerin der Klasse 9a:

Am Montag, den 29.05.2017, besuchten wir Patienten im Haus 4, in der Station für „Entgiftung von illegalen Drogen“, der Vitos Klinik Herborn. Dort berichtete uns jeder der fünf Befragten etwas zu seiner Drogenkarriere und den Einstieg in die Drogenszene sowie den schwierigen Ausstieg. Außerdem stellten wir unsere dadurch entstandenen Fragen und bekamen einen echten Eindruck von dem nicht erstrebenswerten Weg der Drogenabhängigkeit.

Während wir das Thema „Sucht und Drogen“ zuvor im Powi-Unterricht erarbeiteten, haben wir unter anderem Fragen notiert. Zudem haben wir zum Ausdruck unserer Dankbarkeit Muffins mitgebracht, da wir uns vorstellen konnten, dass es nicht leicht ist, seine schlechten Erfahrungen über den Drogenkonsum und die Vorgeschichte fremden Menschen zu offenbaren. Denn dabei durchlebt man gleichzeitig die früheren Situationen erneut und gesteht sich manchmal Fehler ein und somit kann es sehr emotional werden. Als wir schließlich gut vorbereitet vor der Klinik eintrafen, wurden wir von der Psychologin Frau Dorth und dem leitenden Arzt Herrn Willamowski begrüßt und es folgte ein Hinweis zum angemessenen Verhalten auf der Station. Nachdem wir uns in den zuvor eingeteilten Gruppen von fünf Personen wiederfanden, wurden wir jeweils einem der vier Suchtkranken zugeteilt und wechselten nach jeder halben Stunde zu jemand anderem. Am Anfang haben die Patienten über ihren Lebenslauf von der Kindheit bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt berichtet und danach stellten wir unsere Fragen dazu, die uns spontan eingefallen sind. Am Anfang verlief es etwas stockend, doch nach einiger Zeit war es nicht mehr so verklemmt, man kam mehr ins Gespräch und sogar die üblichen Fragen wie „Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Familie?“ fielen unter den Tisch. Unsere vorherigen Vermutungen, warum man in Versuchung gerät, Drogen zu nehmen, haben sich bestätigt. Zum Beispiel haben Probleme mit der Familie, schlichte Neugier oder Kontakt zu „falschen Freunden“ zum Konsumieren von Drogen geführt.

Der Tagesablauf der Patienten besteht aus den drei üblichen Mahlzeiten, einer Urinabgabe am Morgen, Gruppengesprächen, einer Medikamenteneinnahme und schließlich einem Angebot zur Beschäftigung, beispielsweise Basteln, Sport, Gemeinschaftsspiele, Musik, Massagen, Akupunktur und Ergotherapie.

Nachdem wir in den wechselnden Gruppen miteinander geredet hatten, trafen wir uns noch einmal alle zusammen, um zum Abschluss die Gespräche zu reflektieren. Manche Patienten gaben uns Tipps und manche sagten, dass es nicht so einfach war, alles zu erzählen, aber dass es das wert war, wenn es uns Schülern hilft. Einer sagte uns, dass wir immer an ihn denken sollten, wenn wir von John Maynard (aus dem Gedicht von Theodor Fontane) hören, da es ihm durch die schwierige Zeit der Entzüge und Therapien half und er immer an ihn dachte und glaubte. John Maynard opferte als Steuermann sein Leben, um alle Passagiere an Bord seines Schiffes zu retten.

Auf der Seite der Schüler gab es positive Rückmeldungen über den Ausflug, da man nun Menschen getroffen hatte, die Drogen konsumiert haben und die berichteten, was für Auswirkungen das für ihr Leben hatte und was für Erfahrungen sie gesammelt haben. Es ist etwas Anderes, wenn man in Büchern Fakten liest, als wenn man richtige Eindrücke vermittelt bekommt. Zusätzlich dankten wir den Patienten nochmal für ihre Offenheit und Ehrlichkeit, überreichten ihnen die Muffins und verabschiedeten uns von ihnen.

Nachdenklich über die teilweise traurigen Ereignisse im Leben der Drogenabhängigen und der Meinung, dass Drogenkonsum nicht zur Problemlösung führt, liefen wir von unserem ca. zweieinhalbstündigen Ausflug zurück zur Schule und reflektierten nochmals im Unterricht über das Erlebte.

von Sue-Eam Wagner (9a)